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Teilprojekte

Das Vorhaben gliedert sich in sprachwissenschaftliche Teilprojekte von drei Jahren Dauer zu je einer der Sprachen im Projektfokus und ein technisch-/methodisches Teilprojekt zur Konzeption und Implementierung der erforderlichen technischen Infrastruktur.

Momentan laufende sprachwissenschaftliche Teilprojekte sind:

 
Bereits erfolgreich abgeschlossen:

 

Ewenkisch:
Das Ewenkische gehört zur Nordgruppe der tungusischen Sprachen und wird von ca. 5000 Menschen im östlichen Teil Sibiriens gesprochen. Das Gebiet, in welchem sich Sprecher des Ewenkischen finden, erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung vom Eismeer bis zur chinesischen Grenze Russlands und in West-Ost-Richtung vom Jenissej bis zum Pazifik. Entsprechend dieses großen Territoriums ist das Ewenkische dialektal stark gegliedert; größere Dialektgruppen sind das Nordewenkische, das Südewenkische und das Ostewenkische. Im INEL-Projekt werden Ressourcen des Nordewenkischen (gesprochen auf der Taimyrhalbinsel und am Unterlauf des Jenissej; Ilimpijskij- und Erbochanskij-Mundart) sowie des Südewenkischen (gesprochen am Mittellauf des Jenissej; Sym-Mundart) bearbeitet. Das Nordewenkische steht in engem Kontakt mit den Sprachen der Taimyrhalbinsel (v.a. Nganasanisch, Enzisch und Dolganisch), das Südewenkische hingegen mit dem Selkupischen und dem Ketischen.

 

 

Dolganisch:
Das Dolganische gehört zur nordsibirischen Gruppe der nordöstlichen Turksprachen und wird von ca. 1000 Menschen auf der Taimyrhalbinsel im äußersten Norden Sibiriens in Russland gesprochen. Es befindet sich in einer ausgeprägten Sprachkontaktsituation zum einen mit dem Russischen als dominierender Matrixsprache und zum anderen mit dem Ewenkischen, Nganasanischen, Enzischen und Nenzischen als weiteren Minoritätssprachen. Im INEL-Projekt werden unterschiedliche Materialien des Dolganischen zusammengetragen und aufgearbeitet: Die ersten Materialien sind bereits veröffentlichte Folkloretexte, welche digitalisiert, glossiert und annotiert werden. Weitere Materialien wurden vom Haus der Kulturen der Völker der Taimyrhalbinsel in Dudinka, Russland, zur Verfügung gestellt. Hierbei handelt es sich um Radioaufnahmen, welche im Laufe der Arbeit transkribiert und schließlich ebenfalls glossiert und annotiert werden.
Beispieltranskripte Dolganisch

 

 

Kamassisch:
Das Kamassische gehört zur südsamojedischen Gruppe der samojedischen Sprachen, welche einen der beiden Hauptzweige der uralischen Sprachen darstellen. Es ist spätestens 1989 mit der letzten Sprecherin Klavdija Plotnikova, als wirklich gesprochene Sprache aber schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Es wurde im Sajan-Gebirge im Süden Sibiriens in Russland gesprochen und erfuhr reichlichen Sprachkontakt mit den dort ansässigen südsibirischen Turksprachen. Im INEL-Projekt werden unterschiedliche vorhandenene Materialien des Kamassischen gebündelt und aufgearbeitet: Die ersten Materialien sind bereits veröffentliche Texte, welche digitalisiert, glossiert und annotiert wurden. Weitere Materialien speisen sich aus Archiven in Helsinki, Finnland, und Tartu, Estland, hierbei handelt es sich um Tonaufnahmen v.a. der letzten Sprecherin der Sprache, welche zunächst transkribiert werden und schließlich ebenfalls glossiert und linguistisch annotiert werden.
INEL-Korpus Kamassisch

 

 

Selkupisch:
Das Selkupische ist die letzte noch gesprochene südsamojedische Sprache, welche gemeinsam mit den nordsamojedischen Sprachen den samojedischen Zweig der uralischen Sprachen ausmachen. Insgesamt gaben beim letzten russischen Zensus 2010 ca. 1000 Menschen an, Selkupisch zu sprechen, die überwiegende Mehrheit hiervon ist dem Nordselkupischen zuzuordnen, während das Zentral- und Südselkupische als nahezu ausgestorben betrachtet werden können. Im INEL-Projekt werden die in Hamburg am Institut für Finnougristik/Uralistik und in Novosibirsk liegenden Archivmaterialien Angelina Kuzminas (handgeschriebene Manuskripte, 8554 in 37 Heften, und Tonaufnahmen, ca. 25 Stunden) aufgearbeitet, d.h. zunächst digitalisiert und im weiteren Verlauf glossiert und linguistisch annotiert (siehe die Sprachbeispiele auf der Website, Link). Die Materialien stammen vorwiegend aus den 1960ern, sodass ihnen eine andere Sprachsituation als die heutige zugrunde liegt.
INEL-Korpus Selkupisch